Blog-Breitäge
Wieso werden Stillhütchen in Krankenhäusern wie Smarties verteilt?
Es macht mich verrückt! Und wisst ihr wieso? Weil so wenige auf echte Problemlösungen aus sind. Hauptsache die Frau hält die Klappe. Oder das Kind. Am besten eben beide. Ich arbeite selbst in der Pflege. Die Zeit ist knapp. Unser Gesundheitssystem kaputt gespart. Und neueste Ereignisse und Entscheidungen zeigen den Weg ... der nicht viel Raum für Hoffnung lässt.
Ich lebe es selbst, immer höher, schneller, weiter. Immer mehr Patienten in kürzester Zeit irgendwie gestemmt bekommen. Das prägt auch meinen Beruf. Trotz allem, so finde ich, bleiben immer zumindest wenige Sekunden, die zum nachdenken anregen.
"Ich könnte Ihnen jetzt Stillhütchen geben, damit Ihre Brustwarzen nicht mehr so schmerzen, aber es gibt bessere Lösungen, für die ich nur leider keine Zeit habe. Bitte reden sie schnellstmöglich mit einer kompetenten Beratungsperson".
Ich möchte niemanden klein reden, schon gar nicht schlecht machen. Arbeiten in der Pflege ist hardcore. Wechselschicht, Überlastung, keine Pausen, oftmals kann man nicht einmal seinen menschlichen Grundbedürfnissen nachkommen. Wie oft fahre ich mit Kopfschmerzen heim, frage mich wieso ich die schon wieder habe, bis ich meine Trinkflasche aus dem Rucksack hole...schon wieder keine Zeit zum trinken gefunden, es schlichtweg vergessen.
Aber dennoch kann es nicht die Lösung sein, Symptome zu beheben, aber nicht über die Folgen und Risiken aufzuklären oder wenigstens darüber, dass wunde Brustwarzen immer einen Grund haben, welcher meist mit simpelsten Veränderungen behoben werden kann.
Stillhütchen werden verharmlost, dabei sind sie meist die Ursache für so viele Folgeprobleme.
Bitte tut mir einen Gefallen, egal was passiert. Egal ob ihr eine Stillberatung in Anspruch nehmen möchtet oder nicht. Lasst die Finger von Stillhütchen. Nehmt sie dankend an, damit ihr nicht diskutieren müsst. Und werft sie dann in den Müll. Glaubt mir!
Jacqueline, 18.07 .2026
Diese eine Frau, die das Feuer in mir entfacht hat...
Damals am Reitstall, jung und wild waren wir, hatten keine Idee davon, was in 10 Jahren sein wird, ja wir hatten nicht einmal eine Idee davon was morgen sein wird, da lernte ich eine junge Frau kennen. Es war diese typische Reistall-Freundschaft. Es drehte sich eigentlich alles um die Pferde, andere Themen gab es kaum, aber es war einfach schön, kein Gezicke, keine Missgunst, einfach eine unglaublich schöne Zeit, an die ich mich gern zurückerinnere. Das war noch zu der Zeit, als ich in Niedersachsen lebte.
Später zog ich in den wunderschönen Westerwald und man hatte kaum noch Kontakt. Irgendwann baute diese junge Frau ein Haus, teilte ein paar Eindrücke in ihrem Status, man kam wieder etwas mehr ins Gespräch, hatte tatsächlich andere Themen über die man sprach. Der Kontakt wurde intensiver und eines Tages erzählte sie mir, sie wäre schwanger. In der Zeit begann ich gerade erst mit meiner Ausbildung zur Stillberaterin.
Sie erzählte mir davon, dass sie es sich niemals im Leben vorstellen könne, ein Kind an ihrer Brust zu ernähren. Ein Kind an ihr nuckeln zu lassen. Dieser Gedanke widerte sie förmlich an. Auch eine natürliche Geburt kam für sie eigentlich nicht in Frage.
Wir haben viel gesprochen. Kein Beratungsgespräch oder ähnliches, einfach immer wieder ein netter Smalltalk, ein bisschen Gedankenaustausch, ein bisschen Pferdekram, ein bisschen Hausbaugedöns. Dies und das, aber irgendwie hatte ich sie angefixt. Die Geburt rückte näher. Die Gedanken an das Stillen wurden immer positiver. Der Wunsch nach einer natürlichen Geburt wurde größer.
Irgendwann bekam ich eine Nachricht, die mich wirklich umgehauen hat. Diese wundervolle und starke Frau hatte 60 Stunden, ganze 60 !!! Stunden um eine natürliche Geburt gekämpft. Sie war so stark, so mutig, so standhaft... am Ende fehlte leider die Kraft, aber sie ging so positiv in ihren Kaiserschnitt, denn sie hat es so sehr versucht und durfte loslassen; durfte mit absolutem Frieden loslassen. Ich war und bin bis heute so stolz auf sie und so dankbar für die vielen Gespräche, die wir führten, so dankbar, dass ich ihr so viel Zuversicht mit auf ihre Geburtsreise geben konnte.
Aber es kam noch so viel besser. Die Frau, die sich niemals vorstellen konnte, ein Kind an der Brust zu ernähren, hat so sehr um ihre Stillbeziehung gekämpft. Fast täglich standen wir in Kontakt. Haben Lösungen gesucht und gefunden, haben jeden Moment der Verzweiflung überwunden, haben immer wieder neue Motivation aufbauen können.
Heute stillt sie ihre nun schon 1,5-jährige Tochter noch immer. Und das ist es, warum ich diesen Beruf so liebe. Weil ich Frauen die Chance gebe, es zumindest auszuprobieren und dann selbst entscheiden lassen zu können, ob und wie lange sie es fortsetzen möchten.
Diese Frau war eine meiner ersten Stillberatungs-Mamis, zu einer Zeit, in der ich noch gar nicht qualifiziert war, eben erst ganz am Anfang stand. Wo sich aus normalen Gesprächen heraus etwas so wundervolles entwickelt hat. Nicht nur eine wundervolle Stillbeziehung, sondern mein Feuereifer für diese wertvolle Arbeit!
Danke A. ! Danke, dass du meinen Weg mit mir begonnen hast! Und danke, dass wir trotzdem immer noch über Pferde reden können wie früher. Ein bisschen anders, ein bisschen weniger wild. Aber Pferdemädchen bleiben eben Pferdemädchen.
Jacqueline, 26.01.2026
